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Gelüste in der Schwangerschaft

Bislang hat die Wissenschaft noch keine eindeutigen Beweise finden können. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass hormonelle Schwankungen oder ein akuter Mangel an bestimmten Nährstoffen an den plötzlichen Heißhungerattacken schuld sind. Eine Art Schutzmechanismus des Körpers, um das ungeborene Baby optimal mit benötigten Vitaminen oder Spurenelementen zu versorgen.

Lust auf Feldsalat? Dieser enthält besonders viel Eisen, Kalzium und Vitamin C und ist eine gesunde Eisenquelle, genau wie Brokkoli oder Milchprodukte. Es gelüstet nach Schokolade? Ein erhöhter Bedarf an Magnesium oder Vitamin B könnte dahinter stecken, gegen den Müsli, Bananen oder eine Handvoll Nüsse schnell und gesund Abhilfe schaffen. Und verlangt eine Schwangere jetzt und sofort nach einem Matjesbrötchen, handelt es sich womöglich um eine Unterversorgung von Omega 3 und anderen wichtigen Fettsäuren. Dann wäre bei frischem Seefisch oder Avocado das Zugreifen angesagt.

Und was, wenn der Körper nach süßem Zeug vom Bäcker und Gummibärchen schreit? – Dann steckt eher kein Mangel dahinter, sondern ein Absinken des Blutzuckerspiegels. Der Körper produziert in der Schwangerschaft vermehrt Insulin, wodurch der Blutzuckerspiegel schwankt und es zu Unterzuckerungserscheinungen kommt. Ein Kreislauf aus ständigem Heißhungerattacken entsteht, denen nachzugeben in diesem Fall nicht sinnvoll ist, da Fett und Einfachzucker der werdenden Mutter keinerlei Nährstoffe geben. Um dem vorzubeugen, sollte man den Blutzuckerspiegel über den Tag verteilt möglichst konstant halten. Komplexe Kohlenhydrate, wie sie in Vollkornprodukten, Kartoffeln oder Gemüse zu finden sind, bieten sich dafür an, da sie nicht nur gesund sind, sondern auch lange satt halten.

Plötzlich Lust auf Burger mit Pommes? Selbst vormals überzeugte Vegetarierinnen können in der Schwangerschaft wieder ein starkes Verlangen nach gesalzenem Fleisch entwickeln, was auf einen Natriummangel hinweisen kann. Gesündere Alternativen sind beispielsweise Käse oder Oliven. Eine Schwangere verdrückt plötzlich mit Vorliebe pfundweise Pfirsiche oder Nektarinen? Ein Mangel an Beta-Carotin, den den Körper auszugleichen versucht, könnte die Erklärung sein.

Eine US-amerikanische Studie verrät, dass es rund 40 Prozent der schwangeren Frauen nach Süßem gelüstet. Ein Drittel würde sich eher für einen salzigen Snack entscheiden und rund 17 Prozent für scharfes und gewürztes Essen. Auf Zitrusfrüchte und ähnliche saure Nahrungsmittel haben nur 10 Prozent Lust.

Interessanterweise unterscheiden sich Gelüste von Schwangeren je nach Kulturkreis und Land. In den Mittelmeerländern, Italien, Spanien oder Griechenland steigt bei Schwangeren angeblich die Lust auf Knoblauch und Ingwer, der als Nebeneffekt auch Morgenübelkeit lindert. In Kenia kauen Frauen kleine Steine – zugegeben, ein sehr kurioses Gelüst - wodurch der erhöhte Bedarf an Zink, Kalzium und Eisen in der Schwangerschaft gedeckt werden soll. In Indien gibt es fruchtige Mango oder Tamarinden und in den USA ist Eiscreme eins der favorisierten Essen von schwangeren Frauen.

Das ständige Auf und Ab der Hormone in der Schwangerschaft verstärkt bei Frauen Geruchs- und Geschmackssinn. Das ist ein Grund für die Lust auf schräge Nahrungsmittelkombinationen oder die plötzliche Vorliebe für Essen, das sie vorher nie gereizt hat. Salzstangen mit Schokocreme bestreichen oder ein Glas eingelegter Zwiebeln leer löffeln?
Experten raten, auf die Signale des Körpers zu hören und den Gelüsten nachzugeben, sofern man die Übersicht über die Gesamtkalorien behält und auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achtet. Essen für zwei ist nicht drin, der Kalorienbedarf steigt erst in den letzten Monaten minimal an und auch nur um ca. 300 kcal am Tag. Das ist leider nur eine halbe Tafel Schokolade…

Eine Schwangerschaft ist also kein Freifahrtschein für hemmungsloses Schlemmen – aber natürlich gehört zum Spaß am Leben, sich ab und zu etwas Leckeres zu gönnen. Kennt man die Ursache des Heißhungers auf bestimmte Speisen, kann man ihm besser und vielleicht gesünder nachkommen.