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Baby da – Sex weg?

Interview mit Doris Kaiser

Schlaflose Nächte, Erschöpfung und ein Baby, das rund um die Uhr versorgt werden will - nach der Geburt herrscht bei vielen Paaren im Bett erst mal Flaute. Ist ein erfüllendes Sexualleben trotz der neuen Elternrolle möglich?
Ja, das ist möglich. Aber: Sie müssen sich ganz bewusst dafür entscheiden und auch etwas dafür tun. Zwar entstehen Kinder durch Sex, doch paradoxerweise haben viele Paare keinen mehr, sobald das Baby da ist. Mütter haben durchschnittlich gerade einmal 20 Minuten in der Woche Zeit für sich selbst. Die eigenen Bedürfnisse bleiben dabei fast zwangsläufig auf der Strecke, genau wie die des Partners. Mögliche Folgen: Die Mütter werden unzufrieden, nörgeln an ihrem Partner rum und haben auch weniger Geduld mit dem Baby.

Welche Tipps haben Sie für Frauen, denen es so geht?
Die erste Zeit ist anstrengend, keine Frage. Lassen Sie sich Zeit. Früher oder später finden Sie einen Rhythmus mit dem Baby und alles spielt sich ein. Dann sollten Sie sich auch wieder daran erinnern, dass Sie nicht „nur“ Mutter sind, sondern auch Geliebte. Tun Sie etwas, dass der Frau in Ihnen gut tut. Ein Café-Besuch mit der Freundin, ein entspannendes Bad, ein Massage- oder Friseurtermin lassen sich auch umsetzen, wenn Sie noch stillen.

Wie können sich frischgebackene Eltern wieder als Paar entdecken und die Erotik in ihrer Beziehung aufleben lassen?
Bleiben Sie mit miteinander im Gespräch. Erzählen Sie sich, wie es Ihnen geht und interessieren Sie sich für die Bedürfnisse des anderen. Sie haben beide eine neue Rolle, in die Sie hineinwachsen dürfen. Auch die Männer sind gefordert. Sie müssen ihre Frau jetzt „teilen“ und haben vielleicht das Gefühl, zu kurz zu kommen. Manch einer hat Bilder von der Geburt im Kopf, die es ihm schwer machen, die Vulva als Lustorgan zu sehen.
Das Wichtigste ist die Kommunikation! Wenn Sie ehrlich sind und über Ihre Sorgen, Ängste, Wünsche und Bedürfnisse reden, werden Sie die unerfreulichen Begleiterscheinungen des Elterndaseins am besten überstehen. Nur weil Sie jetzt Mami und Papi sind, verwandeln Sie sich nicht automatisch in asexuelle Wesen. - Na gut, zeitweise schon... Warten Sie jedoch nicht darauf, dass sich dieser Zustand von selbst wieder ändert. Entscheiden Sie sich bewusst dafür, immer wieder aus der Mutter-bzw. Vater-Rolle auszusteigen und bewusst die Rolle der/des Geliebten einzunehmen.


Hier sind Tipps der Expertin zur bewussten Aktivierung des Liebeslebens:


Die Paar- und Sexualberaterin Doris Kaiser ist auch als Autorin tätig und lebt in Linz. Für unseren Blog Seed Life beantwortet sie Fragen zu Beziehungsthemen und zur Sexualität. Mehr über Doris Kaiser erfahrt ihr auf ihrer Website.