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Comeback der Großväter-Namen

Oskar, Emma, Klara, Emil… altdeutsche Namen erleben auf den Spielplätzen Deutschlands derzeit ein Revival – allen voran in der Hipster-Hochburg Berlin, von der aus sich Namenstrends schon häufig entwickelt und dann nach und nach über den Rest der Bundesrepublik ausgbreitet haben. Warum sind Namen des beginnenden 20. Jahrhunderts auf einmal wieder cool?

Alles kommt früher oder später wieder, heißt es. Doch wer wagt zuerst den Griff in die Namensmottenkiste? Muss die frühere Generation der Namensträger dafür bereits reif fürs Altersheim sein? Wieso kommen nur einzelne Namen zurück? Was hat Greta, das Gisela fehlt? Frieda, Valentin und Gustav sind der Hit, während Ottfried, Heinz und Ursula eher… nun ja. Der Grat zwischen altbacken und Avantgarde ist schmal.
Und doch greifen immer mehr Eltern, allen voran gebärende Akademiker, zunehmend zu traditionellen und konservativen Vornamen für ihren Nachwuchs. Während vor einigen Jahrzehnten der anglo-amerikanische Raum großen Einfluss auf die Namensgebung hierzulande nahm und Kinder vermeintlich neumodische Namen verpasst bekamen (Kevin, Liam, Jenny, Maik…), sind nun also die Namen unserer (Ur-)Großeltern wieder im Kommen. Und auch exotische Vornamen und vor Individualität strotzende Eigenkreationen ähnlich der Ochsenknecht’schen Reihung - besonders bei jungen Eltern beliebt - sind heute eher auf dem Rückzug. Das Ende von Schaklyn, Maybee und Don Armani?

Verrückte Namenswünsche wird es vermutlich immer geben, doch der Trend geht zurück zu altbekannten und bodenständigen Vornamen – oder jedenfalls zu Teilen davon: Denn oft handelt es sich bei den neuen Trend-Namen um Kurzformen von Klassikern, also Frido statt Fridolin oder Anneli statt Anneliese. Macht Sinn, denn laut Namensforschern ist es heute vielen Eltern wichtig, dass der Name ihres Kindes kurz und knackig klingt. Im Zeitalter der Globalisierung soll er zudem nicht nur zuhause, sondern auch im Ausland leicht auszusprechen sein. Ein Carl hat es dabei leichter als ein Günther. Doch woran liegt’s, dass manche Namen wieder reaktiviert werden und andere nicht?

Alles bloß Zufall?
Anton, Elisa, Wilhelm, Paula sind ebenso alt wie Herbert, Ernst, Gertrud, Berta und Elfriede – doch während erstere seit einiger Zeit immer öfter in den Namenscharts vertreten sind, bleiben letztere einfach nur eins: Absolut aus der Mode. Forschern zufolge nehmen wir die Vokale E, U und O in Vornamen anders wahr als A und I, deren Klang wir angenehmer und freundlicher empfinden und ein neugeborenes Baby deshalb eher Vincent als Kurt nennen würden. Auf die meisten angeführten Namen mag das tatsächlich zutreffen, dem Beispiel Greta vs. Gisela widerspricht es wiederum. Also doch alles bloß Zufall?
Wer keinen gänzlich neuen Namen kreieren will, der orientiert sich an bestehenden. Mit gängigen Namen assoziieren wir automatisch einen sozialen Hintergrund, Alter und bestimmte Attribute. Ist Gabi eher Uniprofessorin oder Friseurin? Oder Udo: Männermodel oder Getränkemarktbesitzer? Anfang zwanzig oder in ihren Sechzigern? Eben.

Mit Vornamen, die vor über hundert Jahren in Mode waren, verbinden wir keine lebenden Verwandten oder Bekannten mehr. August und Theodor sind uns deshalb ferner als beispielsweise Renate und Günther, die eher nach unseren eigenen Eltern oder Großeltern klingen – für uns also: nach alten Menschen. Die antiquierten Kaiserreichnamen dagegen sind abstrakter und kommen deshalb schon wieder für den eigenen Nachwuchs in Frage.
Sorry, Horst, Manfred und Brigitte – ihr müsst noch etwas auf eurer Comeback warten.